11. Ein Abo beim Hausarzt - Geburt im Ausland

18.10.21—01.01.22

März - Dezember 2021

In Australien ist das GP Modell üblich. Meine Hausärztin ist somit zugleich auch meine Frauenärztin. Für meine Kinder ist sie die Kinderärztin, die wir mit jeglichen Anliegen zuerst kontaktieren und nur im äussersten Notfall macht der/die GP eine Überweisung an einen Facharzt/eine Fachärztin. 

Bis anhin hatten wir sehr wenige Arztbesuche, doch mit einem zweiten blauen Strich kann sich das sehr schnell ändern...

Schwangerschaftstest  - POSITIV

Die Überraschung und Freude war gross, doch noch im selben Moment kommen tausend Fragen. Wie funktioniert denn hier eigentlich das System? Ganz nach dem Motto "Löcher in den Bauch fragen" startete ich mit meinem Umfeld. Zur gleichen Frage bekam ich wiederum 100 verschiedene Antworten. Eines war bei allen gleich: zuerst zum Hausarzt.

Guten Mutes vereinbarte ich einen Hausarzttermin in der 8. Woche. Noch gewohnt von den anderen beiden Schwangerschaften in der Schweiz, freute ich mich auf das erste blinken auf dem Bildschirm - dem Herzschlag. 

Als ich dann bei meiner Hausärztin im Untersuchungsraum war, fragte sie lediglich: "Was ist ihr Anliegen?"

Ich so: "ääähm, ich denke ich bin schwanger?"

Sie so:"ok, sie denken oder haben sie einen Schwangerschaftstest gemacht?"

Ich: "Ja ein Test, der war positiv"

Sie: "Gratulation, hier die Überweisung für einen Bluttest und für einen Ultraschall in der 12. Woche"


Nach fünf Minuten war ich dann mit verschiedenen Überweisungen wieder draussen und wusste eigentlich nur vom Schwangerschaftstest, dass ich schwanger bin. Damit ich nun einen Bluttest machen kann und später den Ultraschall und dann wiederum zurück zum GP, um die Resultate besprechen, musste ich natürlich einen Babysitter organisieren. Denn COVID bedingt, durften keine Kinder mit zu diesen Untersuchen.

Somit benötigte ich für den gleichen Untersuch in der Schweiz, vier verschiedene Termine hier in Australien. Dass ich so mit diesem Hausarztmodell in der Schwangerschaft nicht weiterfahren kann, wurde mir schnell klar. Zum Glück wurde ich später vom Spital in einer "low risk" Abteilung aufgenommen und hatte für alle Vorsorgeuntersuchungen nur noch mit Hebammen zu tun, die auch nach Hause kamen. Zudem wurde mir mein "Abo beim GP" sowieso gekündigt, weil ich mich in der Schwangerschaft nicht gegen COVID impfen lassen wollte. 

Die Grenzen in Südaustralien waren weiterhin geschlossen, wir hatten keine Fälle. Einen Monat vor meinem Geburtstermin wurden die Grenzen zu den Nachbarstaaten wieder geöffnet. Die Stimmung war sehr angespannt und auch die Spitäler erwarteten eine grosse Zunahme der zusätzlichen Spitaleinweisungen. Es gab dann manchmal täglich neue Regelungen, unter anderem dass alle für Spitalbehandlungen einen negativen PCR Test vorweisen müssen. Da eine Geburt ja nicht immer planmässig verläuft, mussten die schwangeren Frauen ab der 36. Woche wöchentlich einen negativen PCR Test vorweisen. Die Testcenter waren völlig überfordert, bis zu 9h anstehen war möglich. Hochschwanger mit kleinen Kindern war das sehr nervenaufreibend und ehrlich gesagt nicht eine tolle Erfahrung.  Irgendwie hatte ich immer diese tickende Uhr im Hinterkopf... 

Inzwischen gibt es hier zum Glück diese Schnelltests und andere Schwangere müssen nicht mehr stundenlang in diesen Testcenter anstehen. 

Unser kleines Würmchen kam kurz vor dem Jahresende kerngesund im Spital ganz ohne Unterstützung vom Spitalpersonal auf die Welt (ja, das ist eine andere Geschichte, die ich gerne persönlich erzähle ;). Ja, eine Geburt im Ausland ist definitiv eine spezielle und prägende Sache.