10. Hää? läuft das hier so oder bin ich einfach am falschen Ort?

Immer wieder stand ich vor Situationen, in denen ich nicht wusste, ob ich im falschen Film bin. Dies sorgte schon für einige Lacher. Aber gerade wenn es um die eigenen Kinder geht, möchte man sich nicht damit abfinden. 

Unser 4.5jähriger startete im Februar mit dem Kindergarten. Wir waren in diesem Kindergarten bereits in der Spielgruppe und haben diese schöne Umgebung sehr genossen. Die Spielgruppen sind hier im Vergleich zu der Schweiz etwas anders. Die Eltern sind bei den Spielgruppen noch stets dabei. Als dann der Start vom Kindy war, freute sich der kleine Mann sehr. Nach zwei Wochen war jedoch diese Freude vorbei. Es war stets ein schwieriger Abschied und Abends kam ein emotionales kleines Kerlchen zurück. Mit der Zeit konnte er auch berichten was ihn beschäftigte und immer wieder kam das Thema Fernseher. Er verstand den Inhalt nicht, weil sein englisch noch nicht so gut war. Für die anderen Kinder alltägliche Geschichten wie "the three little pigs"  oder "the gingerbread man" kannte er nicht und waren für ihn sehr beängstigend. Er wachte mitten in der Nacht auf und erzählte dass eine Frau ein Männchen in den Backofen stecke und dieser dann entwischte, aber dann wollte die Frau ihn einfangen und am Ende werde das Männchen vom Krokodil gefressen. phuuuu.... was nun als Mama?


In Gesprächen mit den Lehrerinnen, versuchten wir nach Lösungen zu suchen. Doch irgendwie klappte nichts. Ich stellte mir öfters die Frage, ob es normal ist, dass man im Kindergarten TV schauen muss und sprach auch mit diversen anderen Müttern darüber. Die Ansichten waren natürlich sehr unterschiedlich. 

Nach einem Monat Schlafentzug war klar, dass eine Veränderung geschehen muss. Doch nur welche? Ich wollte nie eine "komplizierte" Mutter für die Lehrer sein, denn ich schätze sehr was sie leisten und möchte nicht noch mehr Arbeit generieren. Mehrfach stellte ich mir und meinem Mann die Frage: "Ist das hier normal oder ist unser Junge am falschen Ort?"


Im letzten Jahr gab es so viele Wechsel für unseren Sprössling, dass ich einen erneuten Wechsel verhindern wollte. Trotzdem konnte es so nicht weitergehen. 

In Australien ist das Schulsystem ziemlich unterschiedlich. Die Schulen sind zwar meistens in Zonen eingeteilt, doch wenn der Platz vorhanden ist, darf man das Kind auch in anderen Zonen einschulen. Anfänglich kann das ganz schön verwirrend sein, weil die Auswahl einfach riesig ist. Doch gerade in unserem Fall war das ein Segen. Wir gingen einen anderen Kindergarten anschauen und waren begeistert. Nach einer kurzen Auszeit startete unser Sprössling im neuen Kindy und bereits am zweiten Tag wurde ich ziemlich schnell verabschiedet, weil es Spannenderes zu sehen gab. Inzwischen gab es keinen Tag mit Tränen und auch die Alpträume sind umgehend verschwunden. Und nein es ist nicht normal, dass im Kindy Fernseh geschaut wird, wir waren da tatsächlich einfach am falschen Ort.


Zu Beginn einer Auswanderung ist man in einem gewissen Überlebensmodus und froh, wenn am Ende vom Tag alle etwas gegessen haben und +/- glücklich ins Bett fallen. Nach einem Jahr steigen dann aber auch die Ansprüche und Dinge, die einem schon immer wichtig waren, möchten wieder erfüllt werden. 

Mir persönlich ist zum Beispiel die Qualität von Nahrungsmitteln sehr wichtig. Am liebsten frisch vom bekannten Hof oder Bioqualität vom Laden. Diese Ansprüche musste ich zu Beginn ziemlich runter schrauben. In den grösseren Läden  wie Coles oder Woolworths, die bei uns um die Ecke waren, war das Bio Sortiment minimalistisch und mindestens doppelt bis dreimal so teuer. Die Qualität jedoch trotzdem noch wünschenswert. Ich konnte mir fast nicht vorstellen, dass die tollen Produkte der Bauernhöfe von den Adelaide Hills selten in diesen Läden anzutreffen waren. Auch da stellte ich mir die Frage "Ist das hier so oder bin ich einfach am falschen Ort?"

Inzwischen kenne ich zum Glück einige Mamas, die ähnlich "ticken" und durch ihre Hilfe, wurde ich auf Angebote wie den Farmers Market aufmerksam. Auch wenn Facebookgruppen hier erste Informationen liefern können, musste ich feststellen, dass es nichts besserers gibt, als tolle Kontakte und dessen Empfehlungen. Es hat sich für mich bis jetzt jedes mal gelohnt, nicht sofort zu verallgemeinern und es als "so ist es wohl hier" abzustempeln, sondern Neues auszuprobieren, Gewohnheiten anzupassen und dem Umfeld Löcher in den Bauch zu fragen.