wenn die (giftigen) australischen Tiere aus dem "Winterschlaf" erwachen

14.11.2020

Möchte man sich im Internet über die australische Tierwelt erkundigen, wünscht man sich man hätte es lieber gelassen. Die Aufzählung von giftigen Tieren scheint endlos zu sein. Ich habe mich damals bei meiner Recherche tatsächlich gefragt, ob ich je Barfuss im Rasen laufen kann. Alles was man über die "do and don't s" von zu Hause weiss, gilt hier nicht mehr - und was nun?

Als wir Kinder waren, wurde mein Vater immer wieder für Bergrettungen hinzugerufen, weil er in diesen Bergen quasi jeden Millimeter kannte. Meist waren es Touristen, die sich in schwierigen Passagen und ohne entsprechende Ausrüstung in Not befanden. Wir Kinder liebten es die Geschichten dazu zu hören und im Anschluss zu sagen "wie kann man nur so naiv sein!". Später in meiner Arbeit als Relocation Assistentin fragte mich einmal eine neue Mitarbeiterin, die aus dem fernen Ausland kam, ob denn die Wohnung auch sicher vor Lawinen sei. Ich musste schmunzeln und konnte sie mit gutem Gewissen beruhigen. Aber genau um das geht es. Es hat nicht mit "Dummheit" oder "Naivität" zu tun, sondern es ist ein fehlendes Wissen über die Gegebenheiten und Umgebung - ein Wissen, das schwierig einfach so mal mit Google zu erwerben ist.

Mit dem Frühling erwachen nun auch die australischen Tiere aus dem Winterschlaf. Heute ist eine ziemlich grosse Eidechse über unsere Terrasse spaziert und hat es sich nun darunter gemütlich gemacht. Immer wenn die Sonne scheint, sonnt sie sich und besonders die Kinder lieben es sie zu bestaunen. Und ja, ich habe zuerst gegoogelt, ob es vielleicht in Australien auch giftige Eidechsenarten gibt. Denn gerade mit Kindern ist man noch vorsichtiger...

Es ist eine Gratwanderung zwischen "die Kinder machen lassen" oder "zum Schutz ziemlich alles in der Natur zu verbieten". Wer uns kennt, weiss wie gerne wir in der Natur sind und dass ich es sehr wichtig finde, auch kleinere Kinder ohne Eltern ihre Erfahrungen machen zu lassen. Doch um dies zuzulassen, sollte man die Gefahren schon kennen. Wir waren zum Beispiel im Meer plantschen und im Wissen darum, dass es einige zu meidende Tierarten darin gibt, bin ich die ganze Zeit auf der Hut. Plötzlich sehe ich im Augenwinkel dass sich etwas ungewohnt Grossen auf dem Meeresboden fortbewegt. Ich gehe mit den Kindern sofort aus dem Wasser und spreche die Freundin darauf an, die auch mit ihren Kindern mit uns am Strand ist. Sie meinte, dass es in dieser Region die grossen Blue-Swimmer Krabben gibt. Alleine der Panzer kann bis zu 20cm gross werden. Wir gehen nochmals vorsichtig raus und tatsächlich, wenige Zentimeter vor uns steht eine riesige Krabbe und zeigt uns stolz ihre Scheren - für mich war das genug für heute. Auf der Suche nach dem "gesunden Menschenverstand" im Umgang mit den Gefahren, habe ich mit vielen Müttern im Umfeld unterhalten und die Antworten waren; "Ja die Krabben können sehr schmerzhaft zu klemmen" "Nein die Krabben sind als Delikatessen bekannt und nicht gefährlich", "Schlangen - nein die gibt es hier kaum, ich habe noch nie eine gesehen". "Oh ja Schlangen hat es hier überall, besonders unten beim Fluss (wir wohnen direkt an diesem Fluss), die Brownsnake ist tödlich". "Meine Kinder dürfen im Garten nicht mithelfen, die Gefahr von gefährlichen Spinnenbissen ist zu hoch". "Im Garten hat es vorwiegend nur harmlose Spinnen". Somit bin ich aktuell nicht schlauer und meinem gesunden Menschenverstand fehlt das "damit aufgewachsen zu sein", um ihn aktuell gesund nennen zu können. Aber Barfuss laufen wir täglich - soweit so gut :)